Wenn ein Notrufsystem plötzlich einen Trinkwasserstutzen überwacht

Schutz des Trinkwassers

Wie überwacht man einen Schachtdeckel ohne Stromanschluss?

In der öffentlichen Wasserversorgung gibt es zahlreiche Stellen, an denen Leitungen und Armaturen zugänglich sein müssen. Trinkwasserstutzen, Entlüftungen oder andere technische Einrichtungen befinden sich beispielsweise in Schächten, die von außen über einen Deckel erreichbar sind. Natürlich kann man solche Zugänge mechanisch sichern, etwa mit einem Schloss – das erschwert den Zugang, verhindert ihn aber nicht zwangsläufig. Interessanter wird deshalb die Frage: Kann ich feststellen, wenn jemand den Deckel öffnet?

Technisch ist das zunächst keine große Herausforderung. Ein Kontakt am Deckel erkennt das Öffnen, eine Elektronik wertet den Kontakt aus, und ein Mobilfunkmodul überträgt die Meldung. Damit entsteht allerdings sofort ein anderes Problem: Woher bekommt die Elektronik dauerhaft ihre Energie? Ein Stromanschluss ist an solchen Stellen häufig nicht vorhanden, und eine klassische batteriebetriebene Überwachung bedeutet wiederum, dass Batterien kontrolliert und regelmäßig gewechselt werden müssen. Bei vielen weit verteilten Schächten kann daraus schnell ein erheblicher Wartungsaufwand entstehen.

ellio Help

Die Idee ist ungewöhnlich, aber technisch ziemlich naheliegend. Statt eine komplette Überwachungseinrichtung für den Schacht neu zu entwickeln, verwenden wir das Funktionsprinzip von ellio Help. Das Gerät wird geschützt im Schacht untergebracht, wobei die Elektronik konstruktiv gegen Feuchtigkeit und die dort herrschenden Umgebungsbedingungen geschützt werden muss. Aus dem geschützten Gehäuse führt eine mechanische Auslösung – beispielsweise ein Seil oder Draht – zum Schachtdeckel.

Solange niemand den Deckel bewegt, passiert überhaupt nichts. Wird der Deckel angehoben, betätigt die mechanische Verbindung die Auslösung von ellio Help. Aus einem Notruf wird damit gewissermaßen ein Manipulationsalarm.

Der geöffnete Deckel hilft sogar bei der Funkverbindung

Dabei gibt es noch einen interessanten technischen Effekt. Mobilfunk aus einem geschlossenen Schacht heraus kann schwierig sein – metallische Abdeckungen und die Lage unter der Erde sind keine besonders guten Voraussetzungen für Funk. Doch genau im Moment der Manipulation verändert sich die Situation: Der Deckel wird geöffnet, das Gerät wird ausgelöst, und gleichzeitig verbessern sich damit potenziell die Bedingungen für die Funkübertragung.

ellio Help kann nun versuchen, seine Alarmmeldung über das Mobilfunknetz zu übertragen. In einer entsprechend aufgebauten Anwendung könnte die zuständige Stelle dadurch darüber informiert werden, dass ein bestimmter Schacht gerade geöffnet wurde.

Es geht nicht darum, den Deckel unüberwindbar zu machen

Das finde ich an diesem Ansatz besonders interessant: Wir versuchen gar nicht, aus einem Schachtdeckel einen Tresor zu machen. Die mechanische Sicherung bleibt weiterhin sinnvoll, aber wenn jemand diese Sicherung überwindet und den Deckel tatsächlich öffnet, soll dieser Vorgang möglichst schnell bekannt werden. Die zuständige Stelle kann anschließend prüfen, ob dort gerade berechtigt gearbeitet wird oder ob etwas Ungewöhnliches passiert.

Gerade bei Einrichtungen der Trinkwasserversorgung ist das ein wichtiger Unterschied: Aus einer rein mechanischen Sicherung wird eine überwachte Sicherung, und aus einem kleinen Notrufgerät für Menschen wird plötzlich ein autarker Melder für technische Infrastruktur.

Solche Anwendungen mögen wir bei pironex besonders. Denn manchmal muss man für ein Problem gar keine komplett neue Elektronik entwickeln – man muss eine vorhandene Technologie nur etwas anders betrachten.

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